Wenn ein Buch nicht mehr schweigen will

Manche Bücher schreibt man.
Und manche Bücher schreiben sich durch einen hindurch.

„Der Tanz der Mutterliebe“ gehört zu den Geschichten, die nicht geplant entstehen.
Sie wachsen aus Erinnerungen, Schmerz, Liebe und aus all den Dingen, über die Menschen oft viel zu lange schweigen.

Als ich begann, dieses Buch zu schreiben, wusste ich sofort:
Dieses Buch würde kein gewöhnliches Projekt werden.

Es war kein Roman.
Kein geplanter Ratgeber.
Es war ein Teil meines Lebens, der nicht länger schweigen wollte.

Die ersten Seiten – Schreiben zwischen Angst und Erinnerung

Ich erinnere mich noch an die ersten Seiten.

Der alte Küchentisch meiner Oma, der mir als Schreibtisch dient.
Der Laptop vor mir.
Der kalte Kaffee daneben.
Und meine Hände, die zitterten.

Nicht vor Kälte.
Vor Angst.

Vor der Frage, ob ich wirklich bereit bin, all das noch einmal zu fühlen.
Ob ich Worte finden kann für Dinge, die ich selbst jahrelang kaum greifen konnte.

Schreiben war für mich schon immer ein Weg nach innen.
Doch dieses Buch wurde ein Weg zurück.

Zurück in Räume, die längst verschlossen waren

Zurück in Räume, die ich längst verschlossen glaubte.
Zurück zu Erinnerungen, die weh taten.
Zu Schuldgefühlen.
Zu Angst.
Zu der Frage, wann ich eigentlich begonnen hatte, mich selbst zu verlieren.

Manche Sätze habe ich zehnmal geschrieben und wieder gelöscht.
Andere kamen wie ein Strom aus mir heraus, als hätten sie jahrelang darauf gewartet, endlich ausgesprochen zu werden.

Es gab Tage, an denen ich nur wenige Zeilen geschafft habe.
Und Tage, an denen ich stundenlang geschrieben habe, weil die Erinnerungen mich nicht mehr losließen.

Insgesamt habe ich aber nur knapp drei Wochen gebraucht, weil dieses Buch wohl geschrieben werden wollte.

Schreiben als Rückweg zu mir selbst

Ich habe beim Schreiben geweint.
Geschwiegen.
Gezögert.
Weitergeschrieben.

Und irgendwann verstanden:

Ich schreibe nicht nur meine Geschichte auf.
Ich hole mich selbst zurück.

Die schwersten Kapitel im Buch

Besonders schwer waren die Kapitel über meinen jüngsten Sohn.

Wie erzählt man von einem Menschen, den man liebt, ohne ihn bloßzustellen?
Wie spricht man über Sucht, Angst und Hilflosigkeit, ohne anklagend zu werden?

Ich wollte ehrlich sein.
Aber menschlich.

Wenn Suchterkrankungen ganze Familien verändern

Denn Suchterkrankungen zerstören nicht nur den Betroffenen.
Sie ziehen oft ganze Familien mit in einen Strudel aus Angst, Hoffnung, Schuld und emotionaler Erschöpfung.

Und trotzdem wird darüber geschwiegen.

„Das gibt es bei uns nicht.“
„Damit haben wir nichts zu tun.“

Sätze, die viele kennen.
Sätze, hinter denen oft Schmerz verborgen liegt.

Gerade Frauen und Mütter tragen dabei oft eine Last, über die kaum jemand spricht.

Sie kämpfen.
Retten.
Halten aus.
Und verlieren sich dabei manchmal selbst.

Die Erkenntnis, nicht jeden retten zu können

Irgendwann musste ich mir eingestehen:

Ich kann nicht jeden retten.
Aber vielleicht mich selbst.

Diese Erkenntnis war einer der schmerzhaftesten und gleichzeitig wichtigsten Schritte meines Lebens.

Über Fibromyalgie, Erschöpfung und Zusammenbruch schreiben

Auch über meine Fibromyalgie zu schreiben, fiel mir schwer.

Ich wollte kein Mitleid.
Ich wollte sichtbar machen, was geschieht, wenn ein Mensch zu lange stark sein muss.

Wie Körper und Seele irgendwann beginnen zusammenzubrechen.
Wie still Erschöpfung sein kann.

Warum dieses Buch nicht nur erzählen sollte

Die Reflexionsfragen und Impulse im Buch entstanden dabei ganz von selbst.

Immer dann, wenn ich spürte:
Das hier gehört nicht nur zu meiner Geschichte.

Es gehört zu vielen Frauen.
Zu vielen Müttern.
Zu Menschen, die kämpfen, zweifeln und funktionieren, obwohl sie innerlich längst erschöpft sind.

Dieses Buch sollte deshalb nicht nur erzählen.
Es sollte begleiten.

Wie ehrlich darf ein Buch sein?

Die größte Frage beim Schreiben war:

Wie ehrlich darf ich sein?

Und irgendwann begriff ich:
Dieses Buch braucht keine perfekte Wahrheit.
Es braucht eine echte.

Also entschied ich mich für Ehrlichkeit.

Nicht, weil ich mutig bin.
Sondern, weil ich weiß, wie viele Menschen schweigen.
Wie viele Familien zerbrechen, ohne dass jemals offen darüber gesprochen wird.

Was dieses Buch mit mir gemacht hat

Dieses Buch hat mich verändert.

Es hat mich an meine Grenzen gebracht und gleichzeitig befreit.
Es hat mir gezeigt, dass Schreiben mehr sein kann als Worte.

Manchmal ist Schreiben Überleben.
Manchmal Befreiung.
Und manchmal der erste Schritt zurück ins eigene Leben.

Denn auch Mütter haben nur ein Leben.
Und dieses Leben findet nicht irgendwann statt.
Sondern jetzt.

Wenn ich heute auf mein Buch schaue

Wenn ich heute auf mein Buch schaue und es in den Händen halte, sehe ich nicht nur Kapitel.

Ich sehe meinen Weg.
Meine Wunden.
Meine Stärke.
Meine Wahrheit.

Und ich sehe die Hoffnung, dass dieses Buch vielleicht einer anderen Frau die Hand reicht —
genau in dem Moment, in dem sie glaubt, allein zu sein.

Vielleicht wird nicht jeder verstehen, warum ich dieses Buch schreiben musste.

Aber diejenigen, die Ähnliches erlebt haben,
werden zwischen den Zeilen erkennen,
dass dieses Buch nicht nur aus Worten besteht.

Sondern aus Überleben.

„Hinzufallen ist keine Schande … Liegenbleiben schon.“